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Multi-Team-Koordination

In 1 Trail

Zuletzt aktualisiert am

Technisch ist eine Cloud-Migration planbar. Organisatorisch eher selten. Sobald mehrere Teams parallel auf der gleichen Plattform arbeiten, entstehen Abhängigkeiten, die zu Beginn niemand vollständig sieht.

Ein gängiges Muster: Das Applikationsteam wartet auf die Landing Zone des Plattform-Teams. Das Plattform-Team wartet auf die IAM-Entscheidung des Security-Teams. Das Security-Team wartet auf die regulatorische Freigabe durch Compliance. Alle warten — und der Go-Live-Termin naht.

Dieses Kapitel beschreibt, wie Abhängigkeiten frühzeitig sichtbar werden und wie Teams trotz Abhängigkeiten parallel arbeiten können.

Das Topologieproblem: Warum klassische Projektstrukturen scheitern

Abschnitt betitelt „Das Topologieproblem: Warum klassische Projektstrukturen scheitern“

In klassischen IT-Projekten gibt es einen Projektleiter, der alle Abhängigkeiten kennt und steuert. Bei Cloud-Transformationen wird die Arbeit auf Teams mit unterschiedlichen Kadenzen, unterschiedlichen Prioritäten und unterschiedlichen Anreizstrukturen verteilt.

Ein Plattform-Team arbeitet in zweiwöchigen Sprints. Ein Compliance-Team arbeitet im Quartalsrhythmus. Ein Applikationsteam arbeitet nach einer Produkt-Roadmap. Diese drei Rhythmen erzeugen systematisch Fehlausrichtungen.

Die Lösung ist nicht eine stärkere zentrale Steuerung, sondern eine bessere Sichtbarkeit und klarere Schnittstellen.

Bevor Teams zusammenarbeiten, sollte klar sein: In welcher Beziehung stehen sie zueinander?

Plattform-Team → Applikationsteams: Das Plattform-Team stellt Services (Kubernetes-Cluster, Networking, IAM-Templates) bereit. Applikationsteams konsumieren diese Dienste. Die Interaktion sollte möglichst über Self-Service-Schnittstellen (Servicekatalog, Terraform-Module, Dokumentation) erfolgen — nicht über Tickets.

CCoE → alle Teams: Der CCoE setzt Standards, prüft Architekturentscheidungen und unterstützt bei Eskalationen. Er ist kein Freigabegremium, sondern ein Enabler mit Vetorecht bei kritischen Sicherheits- und Compliance-Fragen.

Applikationsteams untereinander: Shared-Service-Abhängigkeiten (z. B. eine zentrale Datenbank, die von mehreren Teams genutzt wird) sind der häufigste Abstimmungsengpass. Diese sind explizit als „Plattform-Service“ zu behandeln und vom zuständigen Team als internes Produkt mit SLA zu betreiben.

Ein einfaches, aber effektives Instrument: eine Tafel (physisch oder digital), die alle teamübergreifenden Abhängigkeiten visualisiert.

Das Dependency Board wird wöchentlich aktualisiert. Blockaden werden sofort sichtbar — bevor sie zum Engpass werden.

Daily Standup (teamintern)

15 Minuten täglich. Was wurde gestern gemacht? Was ist heute geplant? Was blockiert? Blockaden mit teamübergreifenden Abhängigkeiten werden sofort eskaliert — nicht als Ticket, sondern als direkte Ansprache.

Platform Sync (wöchentlich)

45 Minuten. Das Plattform-Team stellt vor: Was ist neu verfügbar? Was kommt in den nächsten zwei Wochen? Welche Änderungen haben Breaking-Change-Potenzial? Alle Applikationsteams sind vertreten.

Dependency Review (zweiwöchentlich)

30 Minuten. Review des Dependency Boards. Welche Abhängigkeiten sind offen, welche eskalieren? Entscheidungen über Verschiebungen werden hier getroffen, nicht per E-Mail.

Lenkungsausschuss (monatlich)

Management, CIO, Tech Leads. Stand der Gesamtmigration, strategische Kursanpassungen, Ressourcenentscheidungen. Keine Detailgespräche — nur Entscheidungen.

Wenn alle Teams die gleiche STACKIT-Infrastruktur nutzen, entsteht ein gemeinsamer Code-Base-Effekt: Terraform-Module, Helm-Charts und CI/CD-Templates werden doppelt entwickelt.

Inner Source bedeutet: Plattformkomponenten werden intern wie Open-Source-Projekte geteilt. Jedes Team kann seinen Beitrag leisten. Das Plattform-Team pflegt und prüft. Ergebnis: keine Duplikate, schnellere Iteration, gemeinsames Qualitätsbewusstsein.

In der Praxis: ein internes Git-Repository mit Terraform-Modulen für STACKIT-Ressourcen, versioniert und dokumentiert. Applikationsteams nutzen, verbessern und teilen zurück.

Manchmal reichen Prozesse nicht aus. Dann braucht es klare Eskalationswege.

Eskalations-Trigger: Eine teamübergreifende Abhängigkeit ist seit zwei Wochen blockiert und hat einen Go-Live-Termin gefährdet.

Eskalationspfad:

  1. Direktes Gespräch zwischen den betroffenen Teamleitungen: 24-Stunden-Frist zur Lösung
  2. Bei keinem Ergebnis: Einbindung des CCoE als neutraler Mediator
  3. Bei keinem Ergebnis: Der Lenkungsausschuss trifft die Entscheidung — mit allen Konsequenzen

Was auf keinen Fall passieren sollte: Das Lösen von Blockaden durch E-Mail-Pingpong ohne definierten Eskalationspunkt. Zeitdruck löst strukturelle Abhängigkeitsprobleme nicht.

  1. Teamtopologie dokumentieren — Wer arbeitet mit wem zusammen? In welchem Modus (Collaboration, X-as-a-Service, Facilitating)? Schriftlich, als Basis für alle weiteren Abstimmungsformate.

  2. Dependency Board aufsetzen — Einfach starten: Eine Tabelle in Confluence oder Jira reicht. Wichtig: ein wöchentlicher Prüftermin im Kalender.

  3. Sync-Formate etablieren — Platform Sync und Dependency Review als wiederkehrende Termine anlegen. Agenda-Vorlagen erstellen.

  4. Den Eskalationspfad kommunizieren — Alle Teams wissen, an wen und wann eskaliert werden muss. Nicht als Bedrohung, sondern als Sicherheitsnetz.

  5. Ein Inner-Source-Repository erstellen — Beginnen Sie mit dem Terraform-Modul, das die meisten Teams benötigen. Dokumentieren Sie, wie Beiträge geleistet werden.