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title: "ES³ Self Assessment"
description: "Der European Sovereign Stack Standard (ES³) und sein SML-Framework machen digitale Souveränität über neun Dimensionen und vier Reifegrade messbar — daran wird ein ISV bewertet."
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Der **European Sovereign Stack Standard (ES³)** ist das digitale Souveränitätsprogramm von
STACKIT. Er macht das sonst vage Konzept digitaler Souveränität objektiv messbar, in einem Markt,
in dem "Sovereignty Washing" und vage Marketingversprechen verbreitet sind. Motor des Programms
ist das **Sovereignty Maturity Level (SML) Framework**, ein auditierbares Bewertungsframework,
dessen Kriterien von der unabhängigen Prüfgesellschaft BDO verifiziert wurden.

<Aside type="note" title="Die Arbeitsdefinition von Souveränität">
  ES³ definiert digitale Souveränität als die **Fähigkeit, jederzeit aussteigen zu können** —
  also einen Service zu beenden oder zu migrieren, ohne dabei an inakzeptablen rechtlichen,
  technischen, operativen oder Lieferketten-Abhängigkeiten zu scheitern. Souveränität ist keine
  Compliance-Pflicht, sondern Handlungsfähigkeit.
</Aside>

Das Framework folgt drei Leitprinzipien:

- **Auditierbarkeit**: Bewertungen müssen evidenzbasiert, nachvollziehbar und reproduzierbar sein.
- **SML-Klassifizierung**: Reifegrade werden anhand definierter Pflichtkontrollen je Stufe
  zugewiesen.
- **Vergleichbarkeit**: Ergebnisse sind zwischen Services und Anbietern sowie über die Zeit
  vergleichbar.

## Die neun Souveränitätsdimensionen

Das SML-Framework baut auf den acht Souveränitätszielen des offiziellen **EU Cloud Sovereignty
Framework (CSF)** auf und ergänzt eine neunte, zukunftskritische Dimension: Künstliche
Intelligenz.

| ID    | Dimension                      | Was bewertet wird                                                                                                                                                  |
| ----- | ------------------------------- | -------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- |
| SML 1 | Strategisch                     | Unternehmensführungsstruktur, Eigentümerabhängigkeiten, Transparenz der Eigentumsstrukturen und Aufsicht des Managements über Service-Substitution und Exit-Fähigkeit. |
| SML 2 | Rechtlich & Jurisdiktion        | Anwendbare Rechtsrahmen, geografische Verarbeitungsgrenzen und Rechtsschutz gegen extraterritoriale Ansprüche Dritter oder widersprüchliche Zugriffsanfragen.        |
| SML 3 | Daten                           | Kundengesteuerte Zugriffsverwaltung, Datenportabilität über Umgebungen hinweg, zweckgebundene Nutzungsbeschränkungen und langfristige kryptografische Resilienz.     |
| SML 4 | Operativ                        | Zuweisung der operativen Tagesverantwortung, Einschränkung und Auditierung privilegierter Zugriffe, autonome Incident Response und Disaster Recovery.               |
| SML 5 | Lieferkette                     | Transparenz von Subprozessoren und Softwarekomponenten (SBOM), Vendor-Risikomanagement, Minderung kritischer Abhängigkeiten und Vendor-Substitutions-Workflows.      |
| SML 6 | Technologie                     | Deployment innerhalb genehmigter geografischer Grenzen, Einsatz offener Standards gegen Vendor-Lock-in, Architekturtransparenz und Komponentenportabilität.          |
| SML 7 | Sicherheit & Compliance         | Least-Privilege-Identitäts- und Zugriffskontrolle, Verschlüsselung über den gesamten Datenlebenszyklus, Kundeneinblick in Sicherheitslogs und Isolation risikoreicher operativer Aufgaben. |
| SML 8 | Umweltverträglichkeit           | Energieabhängigkeiten der Infrastruktur, Abhängigkeiten in der Lieferkette bei Hardware und Kühlung, Umweltrisikoplanung und Offenlegung von Nachhaltigkeitskennzahlen. |
| SML 9 | KI                               | Unternehmerische Rechenschaftsmodelle, Erklärbarkeit von Systemen, Abhängigkeit von externen Softwareanbietern und Schutz von Trainingsdaten und Modellkomponenten. |

Jede Dimension wird auf **drei verpflichtenden Umsetzungsebenen** bewertet, sodass eine
Anforderung niemals allein auf dem Papier erfüllt ist:

- **Ebene 1 — Vertraglich (Regulatorisch)**: vertragliche Regelungen und Zusicherungen, wie
  Service-Vereinbarungen, SLAs und rechtliche Vereinbarungen.
- **Ebene 2 — Governance & Betrieb (Organisation)**: organisatorische Verantwortlichkeiten,
  Richtlinien, Verfahren und operative Prozesse.
- **Ebene 3 — Technisch (Technologie)**: technische Umsetzung und Systemkonfiguration, wie
  Sicherheitsmaßnahmen, Konfigurationen und Automatisierung.

## Die vier Sovereignty Maturity Levels

| Stufe                    | Kurzform                      | Beschreibung                                                                                                                                                                                             |
| ------------------------- | ------------------------------ | ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------ |
| **1 Initial**             | Ad hoc, nicht standardisiert   | Starke Abhängigkeit von externen Anbietern. Prozesse sind reaktiv, digitale Abhängigkeiten werden nicht gesteuert und sind nicht im Risikomanagement verankert.                                            |
| **2 Managed**             | Dokumentiert, regelbasiert     | Digitale Abhängigkeiten sind identifiziert und im Risikomanagement dokumentiert. Erste Notfall- und Wiederherstellungspläne existieren, sind aber noch nicht vollständig getestet.                          |
| **3 Advanced**            | Strukturiert, konsistent       | Souveränität ist als strategisches Ziel verankert. Für jeden geschäftskritischen Service existiert mindestens eine alternative Bezugsoption oder ein dokumentierter Migrationspfad. Daten werden überwiegend innerhalb der EU/EWR verarbeitet. |
| **4 Future-Proof**        | Optimiert, robust              | Nahezu vollständige digitale Autonomie auf selbstbetriebener oder souverän kontrollierter Infrastruktur, offenen Standards und europäischen Lieferketten. Verbleibende Abhängigkeiten sind bewusst gewählt und jederzeit substituierbar. |

<Aside type="caution" title="Das Minimumprinzip">
  Der Gesamt-SML eines Service entspricht immer der **niedrigsten Stufe über alle neun
  Dimensionen**. Eine einzige Schwachstelle — vertraglich, prozessual oder technisch — begrenzt
  sofort das Gesamtergebnis. Stärken in einem Bereich können eine unerfüllte Pflichtkontrolle in
  einem anderen Bereich nicht ausgleichen, und einzelne Kontrollen werden niemals gewichtet oder
  numerisch bewertet. Souveränität ist immer nur so stark wie ihr schwächstes Glied.
</Aside>

## Was bewertet wird — und wer verantwortlich ist

Bewertungsgegenstand ist immer die Kombination aus einem **kundenseitigen Service und seinem
Service-Anbieter**, einschließlich der zugrunde liegenden Services, auf denen er aufbaut. Bevor
die Bewertung beginnt, wird der Service anhand von Servicename, Service-Anbieter und Servicetyp
(IaaS, PaaS, SaaS, Managed Service, KI-Service) klassifiziert. Der Servicetyp bestimmt nur,
welche Kontrollen anwendbar sind — er hat keinen Einfluss auf den resultierenden Reifegrad.

Jede Kontrolle wird genau einem **Control Scope** zugeordnet, der festlegt, wer dafür
verantwortlich ist:

| Scope                       | Abk. | Bedeutung für einen ISV                                                                     |
| ---------------------------- | ---- | ----------------------------------------------------------------------------------------------- |
| **Underlying Service**       | US   | Die Plattform, auf der du aufbaust — für einen Marketplace-ISV typischerweise STACKIT.          |
| **Service Provider**         | SP   | Deine Organisation, die den Service entwickelt, betreibt und dafür verantwortlich ist.          |
| **Client-facing Service**    | CFS  | Das konkrete Produkt, das du an deinen Kunden lieferst.                                         |

Diese Aufteilung vermeidet doppelte Audits und macht vererbte Nachweise prüfbar:

- Kontrollen auf **SP**-Ebene werden einmal bewertet und für alle deine Services übernommen.
- Kontrollen auf **US**-Ebene werden nicht von dir umgesetzt. Sie werden durch geeignete
  Nachweise des Plattformanbieters (Zertifikate, Audit-Berichte) abgedeckt und gelten als
  übernommen — das bedeutet, der Souveränitätsreifegrad der Plattform, auf der du aufbaust,
  prägt direkt, welche Stufe dein eigener Service erreichen kann.
- Kontrollen auf **CFS**-Ebene betreffen das konkrete Produkt, das du an deinen Kunden lieferst,
  und müssen für jeden Service einzeln bewertet werden — sie werden weder von deinen
  SP-Kontrollen noch von der zugrunde liegenden Plattform übernommen.

## Anforderungen an Nachweise

Das Framework ist hierarchisch aufgebaut: **Dimension → Kontrollziel → Kontrolle → Frage →
Nachweis**. Du antwortest auf der **Kontroll**-Ebene, nicht auf Fragenebene — die Fragen unter
jeder Kontrolle im Katalog sind Beispiele, die die Absicht der Kontrolle verdeutlichen, keine
Checkliste, die du separat abarbeiten musst. Jede Kontrolle wird binär beantwortet — "Ja", "Nein"
oder "N/A" — und mit einem Nachweis hinterlegt. Erfüllt ist eine Kontrolle nur, wenn sie mit "Ja"
beantwortet ist und der Nachweis das auch stützt. Ein "N/A" wird nur akzeptiert, wo es objektiv
nicht anwendbar und begründet ist.

Nachweise müssen spezifisch, überprüfbar und einer Kontrolle direkt zuordenbar sein.
Pauschalaussagen wie "Dokumentation vorhanden" oder "Prozess existiert" reichen nicht aus; ein
unabhängiger Dritter muss die Bewertung vollständig nachvollziehen können. Zulässige
Nachweistypen:

- Verträge oder rechtliche Vereinbarungen
- Richtlinien und Verfahrensdokumentation
- Technische Konfigurationen oder Systemauszüge
- Audit-Berichte oder Zertifizierungen
- Architekturdiagramme

<Aside type="tip" title="Approved Jurisdictions List (AJL)">
  Mehrere Kontrollen referenzieren die AJL, die auf Basis der rechtlichen Bewertung von STACKIT
  für Drittländer außerhalb der EU gepflegt wird. Sie unterscheidet eine **Core Jurisdiction**
  (EU/EWR und Schweiz) von einer **Extended Jurisdiction** (UK, Kanada, Israel, Andorra und
  Japan). Die Liste wird laufend aktualisiert.
</Aside>

## Wie du bei der Bewertung vorgehst

Die gesamte Bewertungskette — Serviceklassifizierung, Bearbeitung des Kontrollkatalogs,
Nachweis-Upload und Tracking deiner Zielstufe — ist im **ES³ Tool** abgebildet:

- **ES³ Tool**: <LinkChip href="https://es3.runs.onstackit.cloud/">es3.runs.onstackit.cloud</LinkChip>

{/* prettier-ignore */}
<Steps>
1. **Bestimme deinen Ausgangspunkt**: Nutze die **ES³ Lens**, das interaktive Presales-Bewertungstool, um vor der Festlegung auf eine Zielstufe eine sofortige Reifegrad-Scorecard für deine Infrastruktur zu erhalten.
2. **Arbeite dich in Framework und Katalog ein**: Lies die SML-Framework-Spezifikation und den herunterladbaren Framework-Katalog, in dem jede Bewertungsfrage mit ihrer Dimension, Kontrolle, Servicetyp, erwartetem Nachweistyp und Nachweisbeispiel aufgeführt ist.
3. **Klassifiziere deinen Service**: Lege Servicename, Service-Anbieter und Servicetyp fest. Diese Klassifizierung ist für die gesamte Bewertung bindend und bestimmt, welche Kontrollen gelten.
4. **Sammle Nachweise je Kontrolle**: Arbeite die anwendbaren Kontrollen entlang aller drei Umsetzungsebenen ab, beantworte jede direkt, und ordne genau einen spezifischen, überprüfbaren Nachweis zu, der deine Antwort belegt.
5. **Stimme deine Zielstufe ab**: Bespreche mit deinem STACKIT Partner Manager, welchen Reifegrad deine Lösung erreichen soll — er bestimmt über die separate SML-Mapping-Tabelle, welche Kontrollen für dich verpflichtend sind.
6. **Validierung**: Deine Ergebnisse werden im Rahmen des [Technical Quality Gate](/de/isv/technical-quality-gate-and-certification/) überprüft — dort wird auch das Souveränitäts-Siegel für dein Marketplace-Listing vergeben.
</Steps>

- **ES³-Programmübersicht**: <LinkChip href="https://stackit.com/en/why-stackit/benefits/es3">stackit.com — ES³</LinkChip>
- **SML-Framework-Spezifikation (PDF)**: <LinkChip href="https://stackit.com/en/asset/download/55693/file/ES3_SML_Framework.pdf?version=2">Framework and Criteria Specification</LinkChip>
- **ES³ Tool**: <LinkChip href="https://es3.runs.onstackit.cloud/">es3.runs.onstackit.cloud</LinkChip>
- **STACKIT Partner Portal**: <LinkChip href="https://partner-portal.stackit.cloud/">partner-portal.stackit.cloud</LinkChip>

<Aside type="note" title="Versionierung und Gültigkeit">
  Der Kriterienkatalog und das SML-Mapping werden in einem jährlichen Zyklus überarbeitet,
  versioniert als `[JAHR].[RELEASE].[PATCH]`. Bestehende Zertifizierungen bleiben bis zu ihrem
  individuellen Ablaufdatum gültig, üblicherweise zwölf Monate — plane deine Neubewertung
  entsprechend.
</Aside>

## Abschlusskriterien der Phase

- [ ] **Framework geprüft**: Dein Security- oder Technical Lead hat SML-Framework-Spezifikation
      und Kriterienkatalog durchgearbeitet.
- [ ] **Service klassifiziert**: Servicename, Service-Anbieter und Servicetyp für die Bewertung
      festgelegt.
- [ ] **Bewertung abgeschlossen**: Alle anwendbaren Kontrollen über die vertragliche,
      organisatorische und technische Ebene beantwortet, jeweils durch spezifische Nachweise
      belegt.
- [ ] **Zielstufe abgestimmt**: Der angestrebte Sovereignty Maturity Level ist mit deinem
      STACKIT Partner Manager festgelegt.
- [ ] **Ergebnisse eingereicht**: Bewertungsergebnisse zur Validierung im
      [Technical Quality Gate](/de/isv/technical-quality-gate-and-certification/) übergeben.

## Support & Kontakt

Für Fragen zu einzelnen Kontrollen, Souveränitätskriterien oder dem Bewertungstooling
kontaktiere das ES³-Programmteam unter `ES3@digits.schwarz`. Für Fragen, wie die Bewertung in
dein ISV-Onboarding passt, wende dich an das ISV-Factory-Team unter
`isv-sales@digits.schwarz`.
