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title: "DevOps und You Build It You Run It"
description: "Das YBIYRI-Prinzip als organisatorisches Rückgrat des cloud-nativen Betriebs: Teamtopologien, Platform Engineering und wie Sie die Verantwortungslücke zwischen Entwicklung und Betrieb schließen."
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  label: "DevOps & YBIYRI"
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## Das Ende der Übergabe

Im klassischen IT-Modell gibt es eine strukturelle Übergabe: Entwickler bauen eine Applikation und übergeben sie an den Betrieb. Operations deployt, überwacht und repariert.

Durch diese Übergabe entstehen systematisch drei Probleme:

**Reibungs- und Wartezeiten:** Jeder Wechsel durchläuft einen Übergabeprozess. Was technisch fertig ist, wartet auf die Kapazität des operativen Teams.

**Unklare Verantwortlichkeit:** Wenn eine Applikation in der Produktion ausfällt, stellt sich zunächst die Frage: Liegt es am Code oder an der Infrastruktur? Diese Frage kostet Zeit — die besonders im Incident wertvoll ist.

**Unterschiedliche Prioritäten:** Entwicklungsteams wollen neue Features ausliefern. Betriebsteams wollen Stabilität. Diese Interessen stehen strukturell im Konflikt, solange sie in unterschiedlichen Teams sitzen.

**YBIYRI (You Build It You Run It)** löst alle drei Probleme durch eine einfache Verschiebung: Das Team, das eine Anwendung baut, betreibt sie auch in der Produktion. Volle Verantwortung, volle Kompetenz.

## Das neue Teammodell

![YBIYRI Übersicht](./files/ybiyri-overview.svg)

### Stream-orientierte Teams

Stream-orientierte Teams sind vollumfänglich für einen Service oder ein Produkt verantwortlich — von der Entwicklung bis zum Produktionsbetrieb:

- Sie entwickeln, deployen und betreiben ihre Applikation
- Sie haben ein eigenes Budget und ein dediziertes STACKIT-Projekt
- Sie übernehmen für ihren Dienst die Rufbereitschaft
- Sie deployen selbst — ohne zentrales Ops-Team als Gatekeeper
- Sie definieren eigene SLOs und lassen sich daran messen

Diese vollständige Eigenverantwortung ist der Kern von YBIYRI. Sie verändert die Denkweise: Eine Person, die weiß, dass sie nachts geweckt wird, wenn die Anwendung ausfällt, baut sie anders auf.

### Platform-Engineering-Team

Das Platform-Engineering-Team (oft aus dem CCoE hervorgegangen) ist kein Ops-Team im klassischen Sinne. Es baut und betreibt die interne Plattform, die allen stromorientierten Teams das Leben erleichtert:

- Landing Zone, Netzwerkinfrastruktur, Kubernetes-Cluster
- CI/CD-Toolchain und Deployment-Pipeline-Templates
- Gemeinsam genutzte Terraform-Module, validiert und gepflegt
- Observability-Plattform (Monitoring, Logging, Alerting)
- Interne Dokumentation und Architektur-Reviews

Das Plattform-Team ist kein Freigabegremium, sondern ein Enabler. Stream-orientierte Teams sollten in der Lage sein, ihre Arbeit zu erledigen, ohne für jedes Infrastrukturthema ein Ticket zu erstellen.

## Was YBIYRI tatsächlich benötigt

YBIYRI ist als Konzept attraktiv — scheitert aber, wenn die organisatorischen Voraussetzungen fehlen.

<CardGrid>
  <Card title="Gute Beobachtbarkeit">
    Kein Team kann einen Service betreiben, den es nicht sieht. Vor der Einführung von YBIYRI muss
    die Observability-Plattform vorhanden sein: Dashboards, Alerts, Runbooks.
  </Card>
  <Card title="Automatisierte Deployments">
    Bereitschaftsteams können um 2 Uhr morgens nicht manuell deployen. Automatisierte,
    reproduzierbare Deployments über CI/CD sind Voraussetzung — kein Nice-to-have.
  </Card>
  <Card title="Klare Service Level Objectives">
    SLOs definieren, wann ein Incident wirklich kritisch ist. Ohne diese Klarheit weckt jede kleine
    Anomalie jemanden. Mit SLOs erfolgt eine Eskalation nur, wenn ein Ziel gefährdet ist.
  </Card>
  <Card title="Psychologische Sicherheit">
    Teams übernehmen keine echte Verantwortung, wenn Fehler bestraft werden. Grundvoraussetzung ist
    eine Kultur, in der Vorfälle als Lerngelegenheiten behandelt werden (Blameless Post-Mortem).
  </Card>
  <Card title="Faire Bereitschaftsvergütung">
    YBIYRI ohne fairen Ausgleich der Rufbereitschaft führt zu Burnout und zum Verlust der besten
    Mitarbeitenden. Bereitschaft muss klar geregelt und angemessen vergütet werden — vor der
    Einführung, nicht danach.
  </Card>
  <Card title="Ausreichende Teamgröße">
    Ein dreiköpfiges Team kann keine gesunde Rotation der Rufbereitschaft aufrechterhalten. YBIYRI
    erfordert, dass die Teams groß genug sind (in der Regel 5–8 Personen), um die Rufbereitschaft zu
    verteilen.
  </Card>
</CardGrid>

## Service Level Objectives — was Teams besitzen

SLOs (Service Level Objectives) sind die schriftliche Zusage eines Teams zu seinem Service. Sie beantworten: Was ist für uns „gut genug“ — und ab wann eskalieren wir?

Ein vollständiges SLO definiert mindestens drei Dimensionen:

**Verfügbarkeit:** In welchem Zeitanteil muss der Service verfügbar sein? Ein SLO von 99,9 % bedeutet: Es werden maximal 8,7 Stunden Downtime pro Jahr akzeptiert.

**Latenz:** Wie schnell muss der Dienst reagieren? „95 % aller Anfragen unter 200 Millisekunden“ ist eine konkrete, messbare Vorgabe.

**Fehlerquote:** Welcher Anteil der Anfragen darf mit einem Fehler beantwortet werden? „Weniger als 0,1 % 5xx-Antworten“ schützt die Nutzer vor systemischen Problemen.

Diese drei Zahlen zusammen definieren das Qualitätsversprechen des Teams. Sie sind die Grundlage für Bereitschaftsentscheidungen: Eskaliert wird, wenn ein SLO gefährdet ist — nicht bei jeder Auffälligkeit.

## Einführung von YBIYRI — in Phasen

<Steps>
1. **Pilot mit einem Team (Monate 1–3):** Ein freiwilliges Team übernimmt YBIYRI für einen unkritischen Service. Rufbereitschaft einrichten, SLOs definieren, erste Erfahrungen sammeln. Lessons Learned dokumentieren.

2. **Expansion (Monate 3–6):** Drei bis fünf weitere Teams übernehmen YBIYRI. Das Plattform-Team stellt Self-Service-Tools bereit, die die kognitive Belastung reduzieren. Es werden gemeinsame Runbooks und Playbooks erstellt.

3. **Vollständige Einführung (Monate 6–12):** Alle neuen Services werden nach dem YBIYRI-Modell erstellt. Das klassische Ops-Team wandelt sich sukzessive zum Platform Engineering. Altsysteme verbleiben während der Transition im klassischen Modell.

</Steps>

## Was passiert mit dem klassischen Ops-Team

Diese Frage beschäftigt die Führung mehr als jede fachliche Frage. Die ehrliche Antwort: Das klassische Ops-Team verschwindet nicht. Es transformiert sich.

Mitarbeitende mit guten Infrastrukturkenntnissen sind im Platform-Engineering-Team sehr wertvoll: Sie kennen betriebliche Probleme, sie verstehen, was in der Produktion schiefgehen kann, sie haben die Erfahrung, die Entwicklern oft fehlt.

Die Qualifizierungsmaßnahmen für diesen Übergang sind im Kapitel **[Workforce Transition](/de/adoption/adapting-operating-models/workforce-transition/)** beschrieben. Was frühzeitig kommuniziert werden muss: Niemand verliert durch YBIYRI seinen Job — aber die Aufgaben ändern sich.
